
Buchtipp
Dissertation von
Dr. Stephan Wassong:

Kontaktadresse:
Dr. Stephan Wassong
Deutsche Sporthochschule Köln
Carl – Diem Weg 6
50933 Köln
Wassong@dshs-koeln.de |
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Literatur über Pierre de Coubertin
Neuerscheinung: Dissertation
von Dr. Stephan Wassong
Pierre de Coubertins US-amerikanische Studien und ihr Bedeutung
für die Analyse seiner frühen Erziehungskampagne. Würzburg
2002, Ergon Verlag 256 S. (€ 29)
Summary:
In die Untersuchungen der Coubertin Forschung sind die USA –
Aufenthalte Coubertins bisher nur mit großer Zurückhaltung
einbezogen worden, obwohl es in der Sportpädagogik und Sportgeschichte
bekannt ist, dass Pierre de Coubertin 1889 und 1893 für mehrere
Monate die USA bereist hat. Dieses Forschungsdesiderat wird in
der Monographie Pierre de Coubertins US-amerikanische Studien
und ihre Bedeutung für die Analyse seiner frühen Erziehungskampagne
gezielt und umfassend aufgearbeitet. Als Quellen dienen dabei
nicht nur Coubertins Reiseberichte in seinen Büchern Universités
transatlantiques (1890) und Souvenirs d`Amérique et de
Grèce(1897), sondern auch zahlreiche und bisher weitgehend
unberücksichtigte Aufsätze, die Coubertin in US-amerikanischen
Gesellschaftsmagazinen publiziert hat, und bisher unveröffentlichte
Korrespondenzschreiben zwischen Coubertin und US-amerikanischen
Politikern, Journalisten, Universitätspräsidenten und
Erziehungsreformern.
In der Monographie werden Coubertins Studienreisen durch die USA
nicht nur aus dem olympischen Blickwinkel interpretiert, durch
den Coubertins Bemühen in den Vordergrund gestellt wird,
in den USA Mitstreiter für die Einführung der modernen
Olympischen Spiele zu gewinnen. Es wird aufgezeigt, dassCoubertin
sich in den USA intensiv auseinandergesetzt hat mit den Leitideen
der US-amerikanischen Hochschulbildung sowie mit der erzieherischen
Inanspruchnahme des Sports durch Schulen, Universitäten,
öffentliche und private Sportanbieter. Eine detaillierte
Auswertung von Coubertins Aussagen zu diesen Bereichen schärft
das Profil Coubertins als progressiven Pädagogen. In Ergänzung
zur Interpretation vonCoubertins Erkenntnissen über die Erziehung
an den englischen Public Schools kann durch seine Hinwendung zum
US-amerikanischen Bildungswesen herausgestellt werden, dass Coubertin
in seiner Pädagogik nicht nur das Konzept einer physischen,
moralischen und intellektuellen Erziehung für die Adolezenten
propagierte, sondern auch Leitlinien einer politischen Bildung
verfolgte, deren oberste Ziele die Konsolidierung des Republikanismus
und die Weiterentwicklung des Internationalismus waren.
Gerade durch die Betonung von Coubertins politischen Erziehungsgedanken
gelingt es auch, deutlich seine Intention für die Einführung
moderner Olympischer Spiele zu erklären. Dabei wird einerseits
die Vorbildfunktion der antiken Spielen in den Bemühungen
Coubertins überarbeitet und andererseits das weitverbreitete
Vorurteil abgebaut, dass Coubertins die Einführung der Olympischen
Spiele lediglich dazu instrumentalisieren wollte, den Athletismus
in Frankreich als Erziehungsmittel für eine tatkräftige
französische Jugend zu popularisieren.
In der Monographie wird aber auch erstmals aufgezeigt, dass Coubertins
Bemühungen zur Wiedereinführung der Olympischen Spiele
von einem großen Personenkreis in den USA unterstützt
worden sind. Neben William Milligan Sloane, mit dem Coubertin
entgegen den bisherigen Aussagen im Forschungsstand schon vor
seiner ersten Studienreise in die USA 1889 Kontakt aufgenommen
hatte, engagierten sich in den USA Universitätspräsidenten,
Politiker, Erziehungsreformer und Journalisten für Coubertins
olympisches Projekt, das von der US-Patronage Gruppe nicht als
ein bloßes archäologisches Spektakel betrachtet worden
ist, sondern vielmehr als ein wertvolles Erziehungsmittel zur
Förderung der internationalen Verständigung. Wie aufschlussreichCoubertins
Kontakte für die Forschung über die Inauguration der
modernen Olympischen Spiele sind, wird u.a. durch die Auswertung
der frühen Korrespondenz zwischen Coubertin und dem ersten
Präsidenten der Cornell-Universität Andrew D. White
dargelegt. So wird der Olympiaforschung mit einem Brief von Coubertinan
White eine der frühesten Quellen präsentiert, in der
Coubertin sich bereits im Frühsommer 1892 explizit zu seinem
Vorhaben äußert, die Olympischen Spiele in einem modernen
Gewand wieder aufleben zu lassen.
Abschließend sei noch erwähnt, dass die Studie von
der Amateur Athletic Foundation of Los Angeles ins Englische übersetzt
wird und im Herbst 2003 auf den Internetseiten (http://www.aafla.org)
dieser US-amerikanischen Sport- und Olympiaforschungsstätte
publiziert wird. |